Recht kurzweilig

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Arbeitgeberdarlehen

Der Kredit vom Chef sind keine neue, sondern eine durchaus bewährte Alternative zur Bankfinanzierung. Früher unabhängig von der Summe unkompliziert als „Vorschuss“ verbucht, ist das Arbeitgeberdarlehen inzwischen auch steuerlich interessant – allerdings gilt es einige Voraussetzungen zu beachten.

Wichtig zu wissen ist, dass seit 2008 bei einem Arbeitgeberdarlehen ein geldwerter Vorteil entsteht, wenn der dafür zu bezahlende Zinssatz unter dem marktüblichen und konkret vergleichbaren liegt. Bisher galt ein Maßstabszinssatz von 5 Prozent, der allerdings für Lohnzahlungszeiträume ab 1.1.2008 nicht mehr angewendet werden darf. Es gilt also, auch für bereits länger laufende Darlehen nach den neuen Grundsätzen zu behandeln (BMF-Schreiben vom 13.6.2007, BStBl 2007 I S. 502).

Neue Regelungen des BMF

Da diese Regelungen in der Praxis für Probleme gesorgt haben, sah sich das BMF zu einer Überarbeitung veranlasst (BMF-Schreiben vom 1.10.2008, IV C 5 – S 2334/07/0009). Neu ist die in diesem Zusammenhang rückwirkend zum 1.1.2008 erfolgte Wiedereinführung der Freigrenze von 2.600 Euro für Kleindarlehen. Damit sind Zinsdifferenzen nur dann steuerpflichtig, wenn dieser Betrag überschritten wird. Bereits abgerechnete Lohnsteuerzeiträume sind entsprechend zu korrigieren.

Ob es sich um ein Altdarlehen oder einen neu abgeschlossenen Vertrag handelt , ist bei der Berechnung des geldwerten Vorteils irrelevant. In jedem Fall wird die Differenz zwischen dem marktüblichen Zinssatz für ein nach Art und Konditionen vergleichbares Darlehen am Abgabeort und dem Zins ermittelt, den der Arbeitnehmer im konkreten Einzelfall zu zahlen hat. Neuerdings dürfen auch oft deutlich günstigste Zinssätze von Internetanbietern als Vergleich herangezogen werden. Wird kein variabler Zinssatz vereinbart, ist der Zinssatz zum Stichtag des Vertragsabschlusses für die gesamte Laufzeit des Darlehens zugrunde zu legen. Haben sich die marktüblichen Konditionen für bestehende Verträge signifikant verändert, sollte eine Rückzahlung des Darlehens und ein Vertragsneuabschluss in Erwägung gezogen werden.

Tipp:
Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten eine Darlehensvereinbarung schließen, in der Laufzeit, Zins, Tilgungsraten und -modalitäten sowie gestellte Sicherheiten geregelt sind. Wird ein Vertrag nicht geschlossen, ist das Arbeitgeberdarlehen in vollem Umfang als steuerpflichtiger Arbeitslohn zu behandeln.

Der geldwerte Vorteil ist je nach Tilgungsraten des Darlehens für die verbleibende Restsumme zu ermitteln. Bei monatlicher Ratenzahlung ist dieser also monatlich, bei jährlichen Vereinbarungen entsprechend jährlich zu berechnen.

Unterschieden werden müssen Vorschüsse, also Vorauszahlungen auf Arbeitsentgelt, für das noch keine Arbeitsleistung erbracht wurde. Grundsätzlich muss für einen Vorschuss die Lohnsteuer bereits zum Zeitpunkt der Zahlung entrichtet werden. Das gilt allerdings nicht für Abschlagszahlungen (§ 39b Abs. 5 EStG). In diesem Fall bezahlt der Arbeitgeber zunächst einen Teil des meist auf Stundenbasis vereinbarten Entgelts und den Rest nach erfolgter Lohnabrechnung. Allerdings hat der Arbeitgeber für deren Erstellung längstens drei Wochen nach Ablauf des jeweils abgerechneten Monats Zeit.

Vorschüsse können zu Darlehen werden

In der Praxis kommt es nicht selten vor, dass Vorschüsse ohne Lohnsteuerabzug ausbezahlt werden. Verrechnet wird dann mit dem nächsten Entgelt, indem der Nettobetrag entsprechend gekürzt wird. Dabei ist allerdings zu beachten, dass bei diesem Vorgehen auch ohne explizite Vereinbarung der Vorschuss zum Arbeitgeberdarlehen wurde. Zwar ist das Risiko, einen geldwerten Vorteil gewährt zu haben, gering, wenn der Vorschuss – zusammen mit eventuell anderen Darlehen – unter 2.600 Euro bleibt. Dennoch sollte bei der Lohnabrechnung auf derartige Abrechnungsfallen geachtet werden, wenn ein Arbeitgeber Vorschüsse „sammelt“.

Als weitere Steuerersparnis könnte sich die Freigrenze für geldwerte Vorteile (44 Euro) erweisen. Ist dieser Betrag nicht bereits durch andere Sachleistungen ausgeschöpft, bleiben die Zinsvorteile aus dem Arbeitgeberdarlehen steuerfrei.

Tipp:
Sollen Sachverhalte zur steuerlichen Behandlung von Arbeitgeberdarlehen geklärt werden, kann beim zuständigen Finanzamt eine Anrufungsauskunft (§ 42e EStG) eingeholt werden.

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